Würziges Quittengelee und Quittenbrot

Quitten gehörten bis zum letzten Jahr nicht zu den Dingen, die ich unbedingt essen wollte. Doch dann führte mich ein Spaziergang an einem Quittenbaum vorbei, dessen Früchte in der Sonne golden glänzten. Es war einer dieser Herbsttage, die so schön und farbenprächtig sind, dass man das Auge auch nicht eine Sekunde von diesem Anblick abwenden möchte. Unter dem Baum lagen unzählige schon herabgefallene Quitten, die einen unbeschreiblichen Duft verbreiteten. Und auf einmal erinnerte ich mich. Als ich klein war, hatte meine Mutter immer mal wieder Quittenbrot gemacht. Ich mochte den speziellen Geschmack nicht sonderlich. Doch nun spürte ich ihn auf der Zunge. Ich konnte nicht anders. Ich sammelte unzählige Quitten und verarbeitete sie zu Quittenbrot, dass ich Weihnachten verschenkte. Eltern und Omas freuten sich wie Bolle.

Quitten gibt es noch bei vielen Bauern und auf dem Markt zu kaufen.

Quitten gibt es noch bei vielen Bauern und auf dem Markt zu kaufen.

Dieses Jahr hätte ich die Quitten schon wieder vergessen, hätte ich nicht diesen Blogpost und die wunderbaren Kommentare bei MamaDenkt gelesen. Und wäre nicht dieser Baum in der Nachbarstraße gewesen. Wir durften eine große Tasche vollpacken und knapp zehn Kilogramm goldglänzende, duftende Quitten mit nach Hause nehmen. Leider hatte ich das Rezept, das im letzten Jahr so gut funktioniert hatte, verbummelt. Was sich aber als Glück herausstellte.

Bei meiner Rezeptrecherche fand ich nämlich einen wunderbaren Beitrag in einem Mittelalterkochbuch. Dort wurde das Quittenbrot gewürzt. Ich habe in den Vorratsschränken gewühlt und verschiedene Varianten probiert. Jetzt haben wir nicht nur unglaublich leckeres Quittenbrot, sondern auch ein würziges Quittengelee, dass so köstlich ist, dass ich es einfach vor mich hin löffeln könnte.

Ihr wollt auch? Dann sammelt erst mal die Zutaten zusammen.

Quitten, Zucker, Gelierzucker, eine Flasche Rotwein, Orangen und Gewürze. Als Gewürz war im Rezept das sogenannte Hippokrates-Pulver vorgesehen. Es enthält Zimt, Ingwer, Muskat und Paradieskörner. Natürlich hatte ich das nicht zu Hause. Ich habe ein Stück Ingwer genommen und eine Dosis vom Fünf Gewürze Pulver, das enthält Zimt, Nelken, Fenchel, Sternanis, Pfeffer.

Zuerst müssen die Quitten von ihrem Pelz befreit werden. Am besten funktioniert ein großes, rauhes Badetuch zum abrubbeln.

Unter dem grauen Pelz glänzt die gelbe Schale

Unter dem grauen Pelz glänzt die gelbe Schale.

Jetzt kommt der wirklich harte Teil. Die Quitten müssen geviertelt, Kerngehäuse und Blüte entfernt werden. Da braucht man ein scharfes Messer und am besten Hilfe.

Alles schön schnippeln!

Alles schön schnippeln!

Die Quitten habe ich mit einer Flasche Rotwein, zwei großen Stücken Ingwer, dem Saft zweier Orangen sowie soviel Wasser, dass die Früchte gerade bedeckt sind, zum Kochen gebracht und eine knappe Stunde auf kleiner Flamme gekocht.

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Quitten, Rotwein, Ingwer und Orangen verbreiten schon beim Kochen einen wunderbaren Duft.

Kippt jetzt in einen Topf die Flüssigkeit,  die Quitten in einen anderen.

Zuerst machen wir das Quittengelee

Die Flüssigkeit sieht am Anfang noch komisch aus, wird dann aber klar.

Die Flüssigkeit sieht am Anfang noch komisch aus, wird dann aber klar.

Dazu habe ich abgemessen, wieviel Flüssigkeit ich habe, sie mit der entsprechenden Menge Gelierzucker sowie einem Teelöffel Fünf-Gewürz-Pulver vermischt und ganz normal nach Anweisung gekocht. Wenn es geliert, einfach heiß in Gläser füllen, ein schönes Etikett drauf und fertig ist ein herrlich würziges Quittengelee.

Es passt nicht nur zu Brot. Mit einem kräftigen Camembert schmeckt es so lecker, dass ich gar nicht aufhören kann zu essen. Ich kann es mir auch gut als Ergänzung zu Fleisch oder mit gebackener roter Beete vorstellen.

Wer keine Lust auf Rotwein hat: Die erste Hälfte der Quitten war ohne Rotwein, nur mit Gewürzen und Orangen- das schmeckt auch prima. Vielleicht sogar besser, weil es noch ein bisschen mehr Frische hat.

Auch die Menge an zugegebenem Gelierzucker habe ich variiert. Einmal habe ich den Zucker in der Menge für Marmelade genommen, einmal in der Menge für Gelee (steht drauf). Die Menge für Marmelade reicht. Dann könnt Ihr das Gelee zwar nicht in Scheiben schneiden, aber es ist nicht ganz so süß und viel fruchtiger.

Weihnachten kann kommen. Eine riesige Menge würziges Quittengelee steht bereit.

Weihnachten kann kommen. Eine riesige Menge würziges Quittengelee steht bereit. Die linke Hälfte ist mit Rotwein, die rechte ohne. Aber eines ist klar: Ein großer Teil bleibt bei mir.

Das Quittenbrot

Erst zäh und gräulich, später superlecker.

Erst zäh und gräulich, später superlecker.

…ist deutlich anstrengender herzustellen. Ihr vermengt die abgetropften gekochten Früchte mit Zucker. Ich habe auf drei Kilo Quitten ein Kilo Zucker genommen. Zerkleinert alles mit einem Pürierstab. Dann geht noch einmal auf Toilette, erledigt, was zu erledigen ist und plant eine Stunde am Herd ein. Jetzt muss das Quittenmus kochen. Und dabei darf man nicht aufhören zu rühren. Wie bei allen dicken Suppen ploppen sonst heiße Tropfen aus dem Topf. Ich habe eine schöne Verbrennung auf dem Handrücken.

Ihr rührt und rührt und rührt so lange, bis beim Durchziehen des Löffels eine Art Straße bleibt, der Brei also nicht sofort wieder zusammenfließt. Dann könnt Ihr ein Blech mit Backpapier auslegen, das Quittenmus in maximal ein Zentimeter Dicke darauf gießen. Je dünner die Schicht ist, desto schneller trocknet es natürlich.

Schiebt das Blech in den Ofen, schaltet etwa 80 Grad Celsius ein und schiebt einen Holzlöffel zwischen Ofen und Tür, um die Feuchtigkeit rauszulassen. Dann heißt es warten und zwar viele Stunden. Ich selbst habe es in einem Dörrautomat gemacht. Das funktioniert eindeutig besser.

Wenn sich das Quittenmus trocken anfühlt, zieht Ihr das Backpapier ab und schneidet Stückchen. Am schönsten sehen kleine Rauten aus. Ich habe sie dann in klarem Zucker gewälzt. Das ist zwar noch einmal extra Zucker, aber sonst kleben die Stücke so zusammen, dass alles zu einem großen Klumpen wird.

Nun ist das Quittenbrot fertig. Ihr müsst es nur noch in einem Glas stapeln und aufs Weihnachstsfest warten und verschenken oder selber essen oder den Anblick genießen.

Eh. Ja. Rhomben sind es nicht so ganz geworden.

Eh. Ja. Rhomben sind es nicht so ganz geworden.

Das Quittenbrot hält sich lange. Wir haben jetzt gerade die allerletzten Stückchen vom letzten Jahr genascht. Auch die Kinder mögen es sehr.

Ab zu RUMS und einfach.nachhaltig.besser.leben.

Viele Grüße
Annett

von Annett Zündorf

 

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11 Comments

  • Reply Fussel 11. Januar 2016 at 20:34

    Noch ein Tip für Quitten: Quittenkuchen! Hab ich 2015 erstmalig entdeckt und dieses Rezept ist einfach göttlich:
    http://www.chefkoch.de/rezepte/1512391256573611/Quittenkuchen-mit-Rahmguss.html

    Zum Quittenzerlegen nehme ich immer das größte Messer (25 cm Klingenlänge) und lehne mich mit meinem ganzen Gewicht drauf. Kerngehäuse rausschneiden erinnert aber immer an Rausmeißeln 😉

    • Reply annett 11. Januar 2016 at 22:13

      So habe ich meine Quitten auch klein bekommen. Aber das Zerlegen war trotzdem kein Vergnügen. Vielen Dank für das Rezept. Klingt lecker. Das werde ich nächstes Jahr probieren.
      Viele Grüße
      Annett

  • Reply Verpackte Geschenke und Einblicke in die Hexenküche - Schnipp, Schnapp - Kragen ab! 22. Dezember 2015 at 10:08

    […] Quittenkonfekt, das kennt Ihr schon von hier. […]

  • Reply Laternen, veganes Leder, Plastikmüll: Rückblick auf die Linkparade #EiNaB im November | Verrücktes Huhn - Neues aus dem wahren Leben 12. Dezember 2015 at 22:38

    […] Rezepte & Anleitungen (Weihnachts-Gewürzmischng; Quittengelee und Quittenbrot; feine Bodylotion; plastikfreier Adventskranz;Gemüsebrühe-Pulver; Pudding; Pfanne […]

  • Reply Ulrich von Knobloch 22. November 2015 at 18:27

    … ich reihe mich da gerne in die Reihe ein, Arbeit mit dem größten Messer und einem großen Stück Holz zum draufhauen. Aber das Resultat lohnte sich, letztes Jahr gab es bei uns Quittenmarmelade.

    • Reply annett 22. November 2015 at 19:58

      Draufhauen mit einem Brett? Das ging? Sollte ich dann nächstes Jahr mal probieren. Ich hatte wirklich Hornhaut an den Fingern.
      Habt Ihr noch Marmelade? Sonst schicke ich Euch mal ein Glas vom Gelee. Passt zum Weihnachtsbraten.
      Grüße
      Annett

  • Reply Marlene 19. November 2015 at 10:12

    Hält sich das Quittenbrot wirklich ein Jahr lang? Ist ja faszinierend…
    Viele Grüße
    Marlene, die keinen Quittenbaum in der Nähe hat und noch nie Quittenbrot gegessen hat

    • Reply annett 19. November 2015 at 10:46

      Offenbar, es hat immer noch genauso geschmeckt. Ich hatte es gut getrocknet und in Gläsern aufbewahrt. Hm. Bis zu Dir ist es ganz schön weit. Da wird es schwierig mit einer Kostprobe.
      Viele Grüße
      Annett

    • Reply Fussel 11. Januar 2016 at 20:29

      Sogar mehr als ein Jahr. Aber meist kommt es nicht dazu, es ist einfach zu lecker 😀

  • Reply Maria 19. November 2015 at 09:01

    Hallo!

    Ich habe dieses Jahr das erste Mal Quitten verarbeitet. Kann nur bestätigen SCHWERARBEIT – ich hatte Hilfe von Herrn Widerstand, der mir erklärt hat, das macht er nie wieder.

    Lass es Dir gut schmecken, alles mit Quitten hat man sich wieder verdient.

    Danke fürs Verlinken zu EiNaB!

    lg
    Maira

    • Reply annett 19. November 2015 at 09:08

      Ja, der Herr des Hauses musste hier auch ran. Ich habe schon überlegt, nächstes Mal die Dinger mit einem Fleischerbeil in Stücke zu hauen. Aber dann hat man immer noch das Problem mit dem Kerngehäuse.
      Viele Grüße
      Annett

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