Fundstücke: String-Regal aus der DDR

Wer im Osten dieses Landes groß geworden ist, erkennt es sofort – dieses Design schmückte Schränke und Betten in Klassenräumen, Jugendherbergen und Ferienlagern, Schrankwände und Tische in Wohnstuben und Lehrerzimmern. Ich fand es schon als Kind nicht schön und als ich bei meinem Vater nach einem Regal fragte und Bretter in genau diesem Design zu sehen bekam, war mir die Abneigung wohl an der Nasenspitze anzusehen.

Im Original: Sieht auf dem Bild gar nicht so schrecklich aus wie in natura.

Im Original: Sieht auf dem Bild gar nicht so schrecklich aus wie in natura.

Trotzdem nahm ich eines mit und probierte mal etwas für mich Neues. Ich habe das Brett mit Kreidefarbegestrichen. Und wahrscheinlich bekommt Ihr jetzt ständig etwas frisch Gestrichenes zu sehen, denn ich bin begeistert. Kein Haftgrund war nötig, kein mehrfaches Streichen. Immer mal zwischendurch am Küchentisch habe ich eine Regalseite gestrichen – die Farbe riecht nicht, tropft kaum. Nachdem sie gut getrocknet war, habe ich noch eine Cremewachs-Schicht aufgetragen und schon war es fertig.

Aus altem Furnier wird mit wenigen Strichen ein hübsches Blau, das nach dem Trocknen gleichmäßig erscheint.

Aus altem Furnier wird mit wenigen Strichen ein hübsches Blau, das nach dem Trocknen gleichmäßig erscheint.

Jetzt haben wir ein richtig stylisches String-Regal im Kinderzimmer. Quasi von der Designhölle in den Designhimmel. Schließlich gelten String-Regale ja als unabkömmliche Zutat für coole Wohnungen im skandinavischen Stil. Und wie ich jetzt erst begriffen habe, war ich schon in meiner Jugend voll im Trend. Ich hatte nämlich so ein ähnliches Bücherregal über meinem Bett hängen. Allerdings mit echten Brettern. Die Metallhalterungen wurden damals, soweit ich weiß, aus Armierungsstahl selber geschweißt. Auch die Seitenteile meines Regals soll mein Opa selber gemacht haben. Aber das ist nicht mehr genau nachzuvollziehen.

Und wer jetzt denkt, ich finde das Ostdesign blöd – ganz im Gegenteil. Es gibt richtige tolle Sachen, die ich mir jederzeit im Originalzustand in die Wohnung stellen würde. Eine ganze Reihe Firmen stellen diese Sachen nach wie vor her oder produzieren moderne Versionen. Wer möchte, kann bei FormOst mal ein bisschen rumschauen. Sehr toll!

Aber jetzt schaut erst mal hier:

Frischer Wind im Kinderzimmer.

Frischer Wind im Kinderzimmer.

Ich bin begeistert. Die Kinder auch. Mal sehen, wie lange es so ordentlich bleibt. Den Hasen habt Ihr übrigens schon mal gesehen. Erinnert Ihr Euch? Der braune Kopf ist ein zur Sparbüchse umfunktionierter Tetrapack. Die Nase ist ein Stiftspitzer.

Mit diesem Beitrag eröffne ich auch meine Reihe Fundstücke neu, die leider bisher erst einen Beitrag hatte, aber nun wieder öfters befüllt werden wird.

Jetzt drehe ich eine Runde bei den kreativen Kolleginnen vom Creadienstag, Handmade-on-Tuesday, Dienstagsdinge, Gustas Upcycling-Party, Kiddikram.

Schönen Tag Euch!
Annett

von Annett Zündorf

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15 Comments

  • Reply Österliche Götterspeise-Eier - Schnipp, Schnapp - Kragen ab! 22. März 2016 at 09:13

    […] Mit dem unübertrefflichen Kindheitsgeschmack im Mund drehe ich eine Runde beim Creadienstag und  Einfach.Nachhaltig.Besser.Leben. […]

  • Reply Fussel 11. März 2016 at 10:19

    So eines hatten wir auch (ebenfalls DDR), aber mit Brettern mit ordentlichem Furnier. Ich habe es geliebt. Später hatte meine Schwester noch mal ein neues, da waren dann die komischen beschichteten Spanplatten drin, die fanden wir auch nicht so schön. Das Prinzip finde ich ziemlich genial, weil leicht, umzugsfreundlich und praktisch überall montierbar. Aber wie’s dann aussieht hängt schon sehr von der Qualität der Bretter ab.

    Mein Vater hat sich als Jugendlicher (ca. 1960) mal so eines selbst gebaut aus den ausgedienten Kernen von der Fahrradreifenherstellung (das sind Stahlstangen von so 6-7mm Durchmesser), die er abgeschliffen, zurechtgesägt und in Form gebogen hat und sich dann von einem Schlosser hat zusammenschweißen lassen. Am oberen Ende wurde dann als Öse eine kräftige Unterlegscheibe angeschweißt. Dann alles schwarz lackiert und Bretter dafür selbst gesägt und geschliffen. Das Regal gibt es heute noch.

    • Reply annett 11. März 2016 at 11:49

      Ah. Das ist ja interessant. Ich nehme an, mein Opa hat das ähnlich gemacht. Ich kann leider nicht mehr fragen. Aber falls Du ein Bild von dem Regal hast oder es fotografieren kannst – immer her damit. Das würde ich gerne noch zum Text stellen.
      Liebe Grüße
      Annett

  • Reply Maria 6. März 2016 at 16:25

    Hallo Annett! Leider gibt es das Regal nicht mehr, vor einigen Jahren ist es meinem Entrümpeln zum Opfer gefallen, nachdem mein Ex-Freund das Brett für seine Modellflieger missbraucht hat. Ich war echt sauer auf ihn (er hatte im Keller seine Werkstatt und das Regal war zu der Zeit abgebaut. Er hat es nicht als solches erkannt).

    lg
    Maria

    PS: Leider konnte ich nicht mehr direkt kommentieren.

  • Reply hehocra 11. Februar 2016 at 13:51

    Cool. Da war ich ja fast dran 😉 Ja, die Regale hatten wir auch, nur noch etwas älter. Da waren die Bretter noch dünner und heller 😉 Schön ist es geworden. Da fällt mir ein, ich habe mir vor einigen Monaten so ein Regal gebraucht gekauft und es hängt noch nicht 🙁 Liebe Grüße, Doreen

    • Reply annett 11. Februar 2016 at 17:20

      Ja. Da erinnert man sich gleich. Und für Dich und alle anderen, die irgenwo so eine Regal haben (oder bald haben): Ich nehme gern Bilder von Euren Regalen und zeige sie hier. Eine kleine String-Regal-Ausstellung im virtuellen SchnippSchnapp-Museum? Das wäre doch mal was.
      Liebe Grüße
      Annett

      • Reply hehocra 14. Februar 2016 at 22:03

        Was für eine schöne Idee.
        Da muss ich es endlich mal an die Wand bekommen, damit ich es schön fotografieren kann.
        Liebe Grüße, Doreen

  • Reply Schäfchen 10. Februar 2016 at 09:46

    Ach ja … In den Bädern bei uns hängt jeweils eins, das hat aber schon neue Bretter aus dem Baumarkt, Kiefer natur. 🙂 Und in der Garage warten all die, die ich vor Jahren mal neu gestrichen habe – keine Kreidefarbe sondern anschleifen, grundieren, anschleifen, lackieren. Im alten Haus hingen die verschachtelt miteinander als Bücherregal unter der Treppe ins Dachgeschoss. Im neuen Haus haben sie bislang nur vereinzelt Platz.

    • Reply annett 10. Februar 2016 at 09:51

      Wie schön, dass dieses Regal bei jedem Erinnerungen auslöst. An Küchen, Bäder, Kinderzimmer – die Regale haben wohl einst überall gehangen. Aber Hut ab, dass Du Dir die Zeit genommen hast, alle Bretter einzeln anzuschleifen, zu grundieren und zu lackieren. Das hätte ich wohl nicht geschafft.
      Viele Grüße
      Annett

  • Reply facile et beau - Gusta 9. Februar 2016 at 20:40

    ahhhhh…. wie genial!!! So ein Regal hing bei uns in der Küche mit den ganzen Kochbüchern. wo meine Mutter das wohl her hatte? Auf jeden Fall gefällt mir deine bunte Variante 1000 mal besser.
    Klasse upcycling! danke fürs teilen <3
    liebe Grüße
    Gusta

  • Reply Maria 9. Februar 2016 at 17:46

    Hallo!

    Ob Du es glaubst oder nicht, ich hatte tatsächlich als Kind genau so ein Regal in meinem Kinderzimmer. Und ich habe in Österreich gelebt. Also keine Ahnung, wie das seinen Weg nach Ö gefunden hat. Ich habe es geliebt und sehr lange auch weiter verwendet als ich bereits erwachsen war.

    Erst im Zug meiner Minimalisierung musste es weichen, was ich gerade in dem Moment sehr schade finde.

    lg
    Maria

    • Reply facile et beau - Gusta 9. Februar 2016 at 20:41

      das frage ich mich auch, denn wir hatten es in der Küche hängen 🙂

      • Reply annett 9. Februar 2016 at 20:49

        Na ich denke mal, Ihr hattet ein richtiges, echtes String-Regal. So eines, wie es Nils Strinning 1949 entworfen hat. Schaut mal: https://string.se/de/#.

        • Reply Maria 15. Februar 2016 at 16:05

          Hallo Annett!

          Danke für den Link, jetzt bin ich gleich noch mehr erstaunt. Genau so ein Wohnzimmersystem hat meine Ex-Schwiegermutter noch immer in ihrem Wohnzimmer.

          War scheinbar damals wirklich SEHR modern!

          lg
          Maria

          • annett 16. Februar 2016 at 10:45

            Liebe Maria,
            wie ich schon an Doreen schrieb, würde ich mich sehr über ein Bild des Regales freuen und eine kleine Collage zusammenstellen.
            Vielleicht schaffst Du es ja.
            Viele Grüße
            Annett

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