Ordnung für Chaoten – mein neuer Tütenspender

Ich bin froh, eine Speisekammer zu haben. Wirklich. Da passt der Staubsauger rein, die Gläser mit Marmelade und Apfelmus, der Wok, Kerzen, Geschirrtücher, Milch, Saft, Reis und so allerlei andere Dinge. Aber manchmal, da komme ich gar nicht erst rein, in die Kammer. Dann ist der Boden bedeckt mit einer Flut von Tüten, die mal wieder vom obersten Regalfach gepurzelt sind.

Ich habe fast immer Stoffbeutel oder Radtaschen, in die ich meine Einkäufe stopfe, Plastiktüten bleiben im Laden. Trotzdem kommen sie nach Hause. Die Omas bringen sie mit, wenn sie etwas „ganz Kleines“ für die Kinder dabei haben; der Tatortbesuch transportiert in ihnen Süßigkeiten und Wein; der Postbote bringt bestellte Sachen vorbei, die oft in Plastik verpackt sind; das Kind kommt vom Kindergeburtstag mit kleinen Tütchen zurück.

Jetzt soll es Menschen geben, die diese Tüten wegschmeißen. Nicht mit mir. Man könnte sie ja noch brauchen. Außerdem bin ich da echt zur Nachhaltigkeit erzogen. Als ich klein war und im Wir-hatten-ja-nüscht-Land wohnte, gab es Milch nicht nur in Flaschen, sondern auch in Plastik- oder besser Plastetüten. War die Milch weg, wurden die Plastetüten ausgewaschen und zum Verpacken von Schulbroten benutzt, bis sie auseinanderfielen. Wegschmeißen ist also keine Option.

Dann soll es Menschen geben, die es schaffen, ihre Tüten ordentlich zu falten und in Schubfächern, größeren Tüten oder Kisten zu verstauen. Leider gehöre ich auch da nicht dazu. Ich bin ein Stopfer. Ich stopfe Dinge wahllos irgendwo hinein. Und bevor ich jetzt gute Ratschläge bekommen. Ja. Ich habe es schon mal mit Ordnung versucht. Nein. Es klappt nicht. Anfälle von Ordnungswahn haben bei mir nur ein einziges Ergebnis: Ich finde nichts wieder.

Okay. Im Falle der Plastiktüten würde ich sie natürlich finden. Aber ich müsste eine nach der anderen auseinanderfalten, um eine Tüte in passender Größe zu finden. Habe ich eine, müsste ich alle wieder zusammenfalten. Und wegräumen. Und dann dürften sie mir nicht wieder vom obersten Regalfach auf den Kopf fallen, weil dort noch weitere Dinge herumliegen, die nirgends einen Platz haben. (Habt Ihr schon jemals das Plastikteil zum Auftauen von Fleisch benutzt, das man zum Kauf eines neuen Kühlschranks erhält? Wir transportieren darin zweimal im Jahr Kuchen in den Kindergarten oder ins Büro)

Also blieb mir nur eine Option, um zukünftig meine Speisekammer jederzeit betreten zu können.

Ich habe mir einen Tütenspender genäht. Hahaha. Könnte man jetzt tatsächlich sagen. Ich hätte auch nicht gedacht, dass ich so etwas mal nähe und als wertvolles Haushaltsutensil erachte. Aber nachdem ich gegrübelt und probiert habe, sollt Ihr jetzt wenigstens auch wissen, wie es geht. Für alle Tütenstopfer da draußen.

Los geht’s

  • Schritt1 Schneidet Euch ein Stück stabilen Stoff in der Größe 60×60 zu. Wie Ihr seht, habe ich das Stück aus Jeans und einem sehr stabilen Stoff zusammengenäht, der hier eine Weile als Deko in einem Rahmen hing. Falls Ihr mehrere Streifen zusammensetzt, müsst Ihr die Nahtzugabe versäubern. Ich habe dann die Naht zu einer Seite gebügelt und abgesteppt.
  • Schritt2:Schlagt die obere Kante einen Zentimeter nach innen um, bügelt und schlagt noch einmal etwa drei Zentimter nach innen um. Dann näht Ihr den Umschlag fest. Ich habe einen Zickzackstich genommen. Das gleiche macht Ihr mit der unteren Kante.
  • Schritt3: Faltet den Stoff der Länge nach rechts auf rechts. Näht und versäubert die Kante. Lasst dabei die umgeschlagenen Kanten noch offen.
Zuschneiden, Kanten umnähen, falten und Längskante nähen.

Zuschneiden, Kanten umnähen, falten und Längskante nähen.

  • Schritt4: Fädelt durch die Kanten ein etwa 25 Zentimeter breites Stück Gummiband. Haltet die Enden gut fest, legt die umgeschlagenen Kanten mitsamt Gummi aufeinander und näht sie zusammen.
  • Schritt5: Näht Gurtband, einen alten Gürtel oder ein Seil etwas unterhalb der oberen Kante fest.
Spender5

So ein Tütenspender hängt überall rum.

So fertig. Einfach irgendwo aufhängen! Und jetzt ist Unordnung Programm. Stopft alle Tüten in den Spender. Bei Bedarf zieht ihr so lange unten welche raus, bis Ihr die richtige erwischt habt. Dann stopft Ihr den Rest wieder oben rein. Cool!

Jetzt aber ab zu RUMS.

Alt: Jeans, Gurtband von einem alten Rucksack
Neu: Vogelstoff vom Möbelschweden, neu, aber gleichzeitig auch wieder alt, er hing hier schon eine Weile in einem Rahmen an der Wand.
Schnitt: selbstgefrickelt, die Idee habe ich aber nicht selber gehabt. Sie stammt von einer Freundin, dort habe ich schon mal ein ähnliches Säckchen gesehen.

PS: Wahrscheinlich brauche ich noch einen. Oder muss doch ein paar Tüten wegschmeißen. Falls Ihr auch so viele Tüten besitzt, solltet Ihr den Schnitt etwas vergrößern.

von Annett Zündorf

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7 Comments

  • Reply So viele Schnallen aus einem Rucksack - Schnipp, Schnapp - Kragen ab! 8. Oktober 2015 at 12:09

    […] Stück Gurtband hat schon ein neues Plätzchen an einem Tütenspender gefunden, den ich genauso wie diesen genäht und kürzlich verschenkt habe. Mal sehen, wo die anderen Teile zum Einsatz kommen und noch […]

  • Reply KaZü 9. Juni 2015 at 15:56

    Cool! Wünsch ich mir zum nächsten Anlass. LG

    • Reply annett 9. Juni 2015 at 16:08

      Okay, kommt auf meine lange Liste. Grüße. Annett

  • Reply annett 5. Juni 2015 at 07:35

    Hm. Vielleicht machen wir das ja zusammen? Ich glaube ich brauche noch mehr. So für dreckige Wäsche scheint das auch ziemlich praktisch zu sein.
    Grüße. Annett

  • Reply Jasmin 4. Juni 2015 at 19:47

    Das leidige Thema. Auch in meiner Speisekammer quillen die Tüten überall heraus. Danke für die praktische Anleitung um dem Chaos so schön Herr zu werden.

    • Reply annett 5. Juni 2015 at 07:34

      Aber gerne doch. Viel Spaß beim Nähen und Stopfen! Grüße. Annett

  • Reply Ute 4. Juni 2015 at 15:55

    (y) Sehr schön – und so praktisch. Den mach ich auch! Dann gibt’s vielleicht auch mehr Platz im Küchenschrank, wo ein ganzes Fach voller Tüten gestopft (ja, ja, ich stopfe auch) ist. Und im Bedarfsfall muss man dann nicht erst alles rauswühlen.

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