Jacken-Generalüberholung

Könnt Ihr Euch erinnern? Reparaturen und UFOs stehen hier im neuen Jahr ganz oben auf der Liste. Nach dem fleckigen T-Shirt der letzten Woche habe ich mir  nun eine Jacke vorgenommen. Die ist mittlerweile schon ein Reparatur-UFO.

Das große Kind trug sie zwei Winter lang. Dann war der Reißverschluss kaputt und ein paar andere kleine Reparaturen nötig. Sonst war die Jacke noch gut und sollte das kleine Kind im Winter wärmen.

Schon im Oktober hatte ich den Reißverschluss herausgetrennt. Das war gar nicht so schwierig. Ich habe vorher noch ein Foto gemacht, um genau zu sehen, wie das Ding wieder eingesetzt wird. Dann lag das Ding wie es lag. Das Kind trug die etwas knappe, aber noch passende Jacke vom letzten Jahr. Aber nun geht dort der Reißverschluss kaputt und ich habe mich endlich rangewagt.

Schritt 1 – der Reissverschluß

So easy, wie ich es mir vorgestellt hatte, war die Jacken-Generalüberholung doch nicht. Erst die Pusselei beim Auftrennen.

Patient auf dem OP-Tisch - das sieht nicht gut aus!

Patient auf dem OP-Tisch – das sieht nicht gut aus!

Und dann sollte das auch wieder ein Ganzes ergeben. So eine Outdoor-Jacke besteht aus mehreren Lagen, die jeweils auch noch umgefaltet waren. Ich habe erstmal alles fein säuberlich und Schicht für Schicht mit Stylefix verbunden, auch den Reißverschluss habe ich auf beiden Seiten mit einem Streifen beklebt und dann exakt eingepasst. Die einzelnen Lagen schön mit Klettband verbunden, ratterte die Maschine fast ohne Probleme die Naht entlang. Nur im Bereich des Halses musste ich vorsichtig Stich für Stich über die vielen Schichten nähen.

Ging gut, alles war prima. Oder wäre prima gewesen. Leider hatte ich auf der einen Seite den unteren Schutz mit festgenäht. Also habe ich die Seite noch einmal aufgetrennt und das ganze von vorn. Jetzt läuft der Reißverschluss prima und ich bin stolz.

Juchhu, der neue Reissverschluß ist endlich drin.

Juchhu, der neue Reißverschluss ist endlich drin.

Ähm, ja, falls Ihr das kleine Loch im Reißverschluss entdeckt haben solltet – ich habe offenbar das Zähnchen mit der Nadel erwischt oder sonstwie rausgebrochen, auf jeden Fall war es weg, nachdem der Reißverschluss drin war. Aber da breite ich den Mantel des Schweigens drüber. Funktioniert auch so prima und fällt nur auf, wenn man wie jetzt gerade genau darauf starrt.

Schritt 2 – die Klettverschlüsse

Die Klettverschlüsse hielten kaum noch. Sie waren komplett mit Fäden, Dreck und Fusseln und Krümeln und was weiss ich zugesetzt. Mit einer Pinzette habe ich vorsichtig alles rausgepopelt. Die Verschlüsse halten wieder.

Sauberer Klett hält meist wieder.

Sauberer Klett hält meist wieder.

Als wäre schon immer ein Sternchen an der Stelle gewesen - sogar die Farbe passt perfekt.

Als wäre schon immer ein Sternchen an der Stelle gewesen – sogar die Farbe passt perfekt.

Schritt 3 – die Kapuze

Die Kapuze selber ist ganz prima. Allerdings war sie vorn am Kragen in diese komischen Taschen geschoben und mit Klettverschlüssen befestigt. Das hielt natürlich kein bisschen. Ich habe kurzen Prozess gemacht: Mit der Ahle Löcher gestochen, Kam Snaps befestigt und festgeknöpft. Hält besser als zuvor und sieht aus, als wäre alles schon immer so gewesen.

Schritt 4 – der Aufhänger

Der Klassiker: Das Bändchen reisst, man näht es nie wieder an und nutzt stattdessen die Kapuze zum Aufhängen. Im Zuge der Jacken-Generalüberholung habe ich aber wirklich alles repariert. Eine winzige Naht, schon war das Bändchen wieder dran.

Jetzt bekommt die Jacke noch einen Waschgang mit Imprägniermittel und alles ist wieder schön.

neueAlte

Alles wieder schön. Die Jacke trägt jetzt das nächste Kind.

Falls Ihr Euch über die Flecken wundert: noch vor dem endgültigen Fototermin verschwand die Jacke und wälzte sich mitsamt Kind im Schlamm.

Noch mehr kaputte Reißverschlüsse

Wer hätte das gedacht. Ich als Retter einer Jacke. Bisher habe ich bei kaputten Reißverschlüssen immer das ganze Teil entsorgt (oder anderweitig verwendet).

Übrigens ist das schon meine zweite Jackenrettungsaktion in diesem Winter. Oder besser unsere. In dem anderen Fall habe ich nur recherchiert. Die Arbeit erledigte der Mann alleine. Bei seiner Winterjacke ging der Reißverschluss immer wieder auf. Nach ein wenig Googelei wurde die Jacke erst gewaschen und die Zähnchen des Reißverschlusses mit einer Zahnbürste geputzt – das half nichts.

Dann wurde der Schieber mit einer Zange ein wenig zusammengebogen. Bingo. Seitdem funktioniert alles wieder prima.

Noch mal?

Also ganz ehrlich – die Jacke zu reparieren, war anstrengender als so manches Nähprojekt. Dagegen waren die Origamibags der letzten Woche ratzfatz genäht und machen so viel mehr her. Trotzdem hat es sich gelohnt. Mal ganz abgesehen davon, dass ich viel über den Aufbau einer Jacke gelernt habe, habe ich nach zwei Stunden Arbeit wieder eine wasserdichte Jacke für das kleine Mädchen.

Ich mach mich dann mal an die nächste Kinderjacke. Einen neuen Reißverschluss habe ich gestern schon bestellt.

Wer sich auch an eine Jacke wagen will: Euer lokaler Stoffhändler berät Euch wahrscheinlich am besten. Ich habe meine Jacke einfach mitgenommen und den passenden Reißverschluss bekommen. Wer keinen Stoffhändler in der Nähe hat: Dieser Reißverschluss funktioniert prima.

Die Jacke darf zum Creadienstag, zu Dienstagsdinge und zu Fix it -Reparieren ist nachhaltig.

Viele Grüße
Annett

von Annett Zündorf

 

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5 Comments

  • Reply Fussel 26. Januar 2016 at 11:00

    Prima Arbeit! Und nicht nur Geld gespart, sondern auch Müll 🙂
    Sieht wirklich sehr gut aus. Und Danke für den Tip, den Schieber mit einer Zange zusammenzubiegen! Ich hab eine Hose, die wegen Reißverschlußaufgehens schon auf meiner Abschußliste steht, da werd ich das mal ausprobieren.

    • Reply annett 26. Januar 2016 at 14:43

      Dankeschön. Ich bin mal gespannt, ob bei Deiner Hose auch ein bisschen Biegen hilfst. Erzähl doch mal, ob es geklappt hat!
      Viele Grüße
      Annett

  • Reply Maria 12. Januar 2016 at 22:57

    Hallo Annett!

    Da hast Du Dir wirklich eine ganze Menge Arbeit angetan, aber sieht wirklich wieder perfekt aus!

    Vielen herzlichen Dank fürs Verlinken zu fix it! Ich freue mich sehr!

    Zum Thema Reißverschluss hatte ich letztes Monat eine Reparaturanleitung – da wurde der Schlitten ausgetauscht. Und den Trick mit der Zange habe ich auch schon erfolgreich angewendet.

    lg
    Maria

  • Reply facile et beau - Gusta 12. Januar 2016 at 14:10

    eine wunderbare rettungsaktion. solche vermeindlichen kleinigkeiten ist oft viel aufwändiger, als ein neues nähstück. aber du hast die jacke supertoll funktionstüchtig gemacht. die idee mit den kamsnaps ist toll.
    liebe grüße
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    • Reply annett 12. Januar 2016 at 15:15

      Ja, aufwändig. Aber auch super befriedigend. Und spart in diesem Fall richtig viel Geld.
      Viele Grüße
      Annett

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